Geboren wurde ich an einem 8.8. und ich schreibe gern.

Doch bevor es dazu kam, dass ich dafür Gelegenheit hatte, sollten ein paar Jahrzehnte ins Land gehen.
Aufgewachsen in einfachen, bürgerlichen Verhältnissen in einem Hochhaus am Stadtrand von Hamburg, galt mein Bestreben zunächst dem Ziel, ohne nennenswerten Aufwand durchs Leben zu kommen. Ein Vorhaben, das sich bestens bewährte und das ich in Form maximaler Faulheit zu meinem Lebensmotto erhob. Die Daseinsform des größtmöglichen Müßiggangs optimierte ich in den darauffolgenden Jahren ständig und schuf hierin immer wieder neue Superlative.

Irgendwann hatte ich jedoch die Erkenntnis, dass dies zwar ein Lebensmodell ist, das in jungen Jahren durchaus geeignet ist, ein gleichermaßen stressfreies wie freudvolles Leben zu führen, im fortgesetzten Alter jedoch mit finanziellen Problemen einhergehen könnte. Im Zuge dieser Erkenntnis sah ich mich in Gedanken immer häufiger als Rentner ohne Rente auf einem geliehenen Fahrrad zu einer Tankstelle fahren, um dort auf Basis eines Minijobs verkäuferisch tätig zu sein.

 

Diese Perspektive schied für mich definitiv aus und vermieste mir ab da meinen Alltag, der bis dato durch gelebte Untätigkeit gekennzeichnet war, die nur durch Vergnügungen unterbrochen wurde.
Ein neues Lebensmodell musste her, und zwar eines, bei dem nur die Parameter „Nichtstun“ und „kein Minijob im Alter“ gesetzt waren. Zumindest perspektivisch.
Mir ist heute noch nicht klar, wie viele Möglichkeiten es bei diesen beiden Voraussetzungen tatsächlich gibt, ich kam damals immer wieder nur auf eine. Nämlich die, in möglichst kürzester Zeit so viel zu verdienen, dass ich so schnell wie möglich wieder faul sein konnte.

Als wirklich revolutionär erwies sich dieser neue Gedanke von mir nicht, ebenso zeigte sich schnell, dass ich scheinbar nicht der Erste war, der auf dieses vermeintlich bahnbrechende Zukunftsmodell gekommen war. Daraus ergab sich, dass ich auf DAS Instrument kommen musste, das mir den Weg dorthin ermöglichte. DAS Werkzeug zum Glück, DEN Türöffner zur Verheißung.
Werkzeuge und Türöffner dieser Art haben es an sich, dass sie Einem weder zufallen noch verordnet werden, und so dauerte es lange, bis ich auf sie kam. Dafür haben sie sich so in mir manifestiert, dass ich bis heute an ihre Wirksamkeit glaube. Man findet sie auch in einem meiner Zitate und sie lauten: „Erfolg hat nur zwei Zutaten: Genialität oder Besessenheit“.

Genialität wäre mir lieber gewesen, aber mir war zeitgleich mit meiner Erkenntnis klar geworden, dass ich eindeutig zur zweiten Fraktion gehöre, und ich, sofern ich den verheißungsvollen Zustand eines Alltags ohne Erwerbstätigkeit erreichen möchte, ab nun eine komplett andere Initiative an den Tag zu legen hatte als bisher.

Ich legte also den Schalter um 180 Grad um, und der Rest ist (fast) schnell erzählt. Meine Karriere in einem großen deutschen Konzern verlief gleichermaßen schnell wie geradlinig und mit Mitte Dreißig wurde ich Prokurist bei einem seiner größten Kunden.
Das Gehalt war hoch, das Auto groß, das Haus auch, und die Scheidung teuer.

Mir wurde klar, ich hatte mein Ziel aus den Augen verloren. Ich hatte mich verführen lassen und mich in einen Strudel von Annehmlichkeiten ziehen lassen, die mich über all das hinweg trösten sollten, für das ich eigentlich angetreten war. Aber von dem ich mich immer mehr entfernt hatte. Ich hatte vermeintlich alles, aber von dem was mir wirklich wichtig war, nichts. Nämlich Zeit.

Letztendlich brauchte es dann doch einen Auslöser, der mich zum Handeln brachte. Ich war im Urlaub in Italien, als ich von meinem Bruder vom Tod seiner Tochter kurz vor ihrem 6. Geburtstag erfuhr. Das war der Tag, der mein Leben veränderte. Für immer. Auf einmal war alles klar, vor allem der weitere Weg. Der Tod, das Leben, der Inhalt. In aller Klarheit.

Warum hatte es diesen Schicksalsschlag gebraucht, um mich wieder darauf zu besinnen, was mir wirklich wichtig war und wofür ich mein Leben verwenden wollte …

Ich fuhr sofort zurück nach Deutschland und noch vor der Beerdigung kündigte ich meinen ausgezeichnet bezahlten Job. Ohne etwas Neues zu haben. Dafür ein exklusives Haus am Münchener Stadtrand, das nach monatlicher Abzahlung rief, plus meinen neuen Wohnraum, der mir ebenfalls nicht kostenlos zur Verfügung gestellt wurde sowie die monatlichen Belastungen rund um eine ebenfalls nicht zum Sonderpreis erhaltene Scheidung.

 
 
 
 

 

ABER: ich war frei! Ich spürte, dass es jetzt losging. Zwar noch nicht, womit, aber wenn nicht jetzt, wann dann. Das war DER Moment, auf den ich so lange gewartet hatte!

Ich gründete eine Firma und mietete mir in der Nähe ein Blockhaus. Ich ließ mich dort als Händler nieder und ließ mir von Firmen aus derjenigen Branche, in der ich mein ganzes Berufsleben tätig war, Kundennummern geben. Ich ließ mir für einen überschaubaren Betrag einen Onlineshop programmieren und verbrachte Monate damit, darin Tag und Nacht Artikel meiner neuen Lieferanten anzulegen, den Shop zu gestalten, seine Funktionen zu optimieren, Gespräche mit Dienstleistern und Logistik-Unternehmen zu führen und legte kurz nach meinem 44. Geburtstag los, in dem ich einen Artikel verkaufte. Zum Erlös legte ich etwas dazu und kaufte davon zwei Artikel. Von deren Erlös kaufte ich drei, von deren Erlös vier. Und so weiter. Mein Handelsgeschäft lief an, ohne Schulden gemacht zu haben. Und so sollte es immer bleiben, bis ich es als Ausbildungsbetrieb mit 20 Mitarbeitern und einem annähernd 8-stelligen Jahresumsatz knapp 4 Jahre später verkaufte.

 

 
 

Dies zu einem Preis, von dem klar war, dass er mir ein Leben ohne jegliche weitere Verpflichtungen ermöglichen würde. Sonst hätte ich es nicht gemacht. Ich war 48 und für den Rest meines Lebens frei. Und hatte dafür nichts Weiteres getan, als Teil 2 meines Mottos anzuwenden. Und hatte Besessenheit gelebt. Wenn man es genau nimmt, hatte ich im Prinzip diese 4 Jahre nahezu komplett in der Firma verbracht. So gut wie kein Urlaub, Wochenende oder Feiertag.
Der stinkend faule Hund als Workoholic mit 90 Stunden-Woche. Aber er wusste ja wofür und hatte ein klares Ziel vor Augen. Mit Besessenheit und ohne Schulden eine Firma hoch profitabel machen und sie dann verkaufen.

Meine daraufhin stattfindende Freiheit dauerte genau ein Dreiviertel Jahr, nämlich bis zu dem Anruf der neuen Inhaber 9 Monate nach meinem Ausscheiden und der Frage, ob ich die Firma zurück geschenkt haben möchte. Bei Übernahme aller Schulden. Sie sei am Ende. Ein übermäßiges Beauftrage von Dienstleistern und Beratern sowie hemmungslose Kapitalabflüsse in die eigenen Taschen hatten die ehemals hoch-profitable Firma in den Ruin getrieben. (Nur am Rande, wäre sie nicht derart hoch-profitabel gewesen, hätte mir niemand den Preis für sie gezahlt, den ich für sie erhalten habe).
Ich ließ mir die aktuellen Zahlen geben, die jedoch ein derart düsteres und aussichtsloses Bild zeichneten, dass ich ablehnte. Am Tag darauf ging die 6 Jahre vorher von mir unter Gründungsschmerzen an den Start gegebene Firma insolvent.

Die Insolvenz riss auch die Firma der neuen Inhaber mit in den Abgrund. Und mit ihr eine Forderung an selbige, die ich an sie noch hatte. Die dritte Kaufpreis-Rate, die schon lange fällig gewesen war und deren Verschiebung ich angesichts der prekären Situation der Firma immer wieder zugestimmt hatte. Obwohl ich damit über Nacht einen Betrag in der Größenordnung von 3 Porsches verloren hatte, litt ich viel eher darunter, dass nun all die Menschen, die ich in den Jahren vorher persönlich eingestellt hatte, nun in die Arbeitslosigkeit rutschten, und dies nur, weil die neuen Betreiber die Firma finanziell ausgeblutet hatten.

Ich beschloss, diese Menschen wieder einzustellen. Ich kaufte aus der Insolvenzmasse meinen alten Firmen-Kern und nach einem Dreiviertel Jahr harter Vorbereitung ging ich mit meiner alten Stamm-Mannschaft erneut an den Start. Und als ob es auch darum ging, zu beweisen, dass die Insolvenz meiner verkauften Firma völlig unnötig und nur durch die maßlose Gier der neuen Inhaber verursacht war, wurde die zweite Firma noch erheblich erfolgreicher als die erste. Vielleicht auch deswegen, weil ich noch eine Spur besessener war. Auf jeden Fall erfahrener und effektiver. Und Menschen an meiner Seite hatte, für die ich durchs Feuer gegangen wäre und sie für mich.

 

3 Jahre nach ihrer Gründung habe ich Teile der Firma verkauft, sie in gute Hände übergeben und schied aus.

Warum ich all das erzähle? Weil ich heute an dem Punkt bin, von dem ich ganz am Anfang erzählt habe. Sich der Kreis geschlossen hat. Und es vielleicht den Einen oder Anderen interessiert, wie es kam, dass ich heute in einer Situation bin, jeden Tag aufs Neue entscheiden zu können, was ich machen möchte. Zum Beispiel zu schreiben. Oder faul zu sein und seinen Gedanken nachzuhängen. Und all das, was dabei passiert, aufs Papier zu bringen. Viel zu reisen, viel zu sehen, viel zu erleben. Auch all das textlich zu verarbeiten.
Vielleicht aber auch, um zu zeigen, dass wenn es der Hochhaus-Junge mit seinem schlechten Realschulabschluss schafft, sein Lebens-Ziel zu erreichen, es jeder schaffen kann. (Selbstverständlich nur, wenn er das Motto des Hochhaus-Jungen anwendet 🙂 …

Natürlich bin ich mir darüber bewusst, dass ich im gewissen Sinne getauscht habe. Die freie Zeit, die ich heute habe, habe ich zuvor in meinen Firmen verbracht. Auch wenn es hätte nicht klappen können, würde ich es so immer wieder machen. Denn nur dadurch bin ich in diese privilegierte Situation gekommen, das zu tun, was mich am meisten erfüllt und mir am meisten Freude macht: zu schreiben.
Für mich gibt es nichts Schöneres als Worte zu Sätzen und Sätze zu Texten zu formen. Sie zu bearbeiten wie ein kleines Kunstwerk. Ihre größtmögliche Kraft aus ihnen herauszuholen. An ihnen zu tüfteln bis sie dem eigenen Anspruch genügen. Aus einem leeren Blatt ein gefülltes machen. Eines, das so noch nie da war. Ein Text gewordenes Stück Selbst …

Wer es bis hierher geschafft hat, einerseits aufrichtigen Respekt und ganz herzlichen Dank. Und zum Anderen ganz viel Freude bei dem, was Ihr auf meinen Seiten an dem von mir Geschriebenem vorfindet.
Es besteht die Möglichkeit, jeden meiner Beiträge zu kommentieren und es wäre eine große Freude für mich, mit Euch hierzu im Austausch zu sein.

Euer Diedymus

Geboren wurde ich an einem 8.8. und ich schreibe gern.

Doch bevor es dazu kam, dass ich dafür Gelegenheit hatte, sollten ein paar Jahrzehnte ins Land gehen.
Aufgewachsen in einfachen, bürgerlichen Verhältnissen in einem Hochhaus am Stadtrand von Hamburg, galt mein Bestreben zunächst dem Ziel, ohne nennenswerten Aufwand durchs Leben zu kommen. Ein Vorhaben, das sich bestens bewährte und das ich in Form maximaler Faulheit zu meinem Lebensmotto erhob. Die Daseinsform des größtmöglichen Müßiggangs optimierte ich in den darauffolgenden Jahren ständig und schuf hierin immer wieder neue Superlative.

Irgendwann hatte ich jedoch die Erkenntnis, dass dies zwar ein Lebensmodell ist, das in jungen Jahren durchaus geeignet ist, ein gleichermaßen stressfreies wie freudvolles Leben zu führen, im fortgesetzten Alter jedoch mit finanziellen Problemen einhergehen könnte. Im Zuge dieser Erkenntnis sah ich mich in Gedanken immer häufiger als Rentner ohne Rente auf einem geliehenen Fahrrad zu einer Tankstelle fahren, um dort auf Basis eines Minijobs verkäuferisch tätig zu sein.

 

Diese Perspektive schied für mich definitiv aus und vermieste mir ab da meinen Alltag, der bis dato durch gelebte Untätigkeit gekennzeichnet war, die nur durch Vergnügungen unterbrochen wurde.
Ein neues Lebensmodell musste her, und zwar eines, bei dem nur die Parameter „Nichtstun“ und „kein Minijob im Alter“ gesetzt waren. Zumindest perspektivisch.
Mir ist heute noch nicht klar, wie viele Möglichkeiten es bei diesen beiden Voraussetzungen tatsächlich gibt, ich kam damals immer wieder nur auf eine. Nämlich die, in möglichst kürzester Zeit so viel zu verdienen, dass ich so schnell wie möglich wieder faul sein konnte.

Als wirklich revolutionär erwies sich dieser neue Gedanke von mir nicht, ebenso zeigte sich schnell, dass ich scheinbar nicht der Erste war, der auf dieses vermeintlich bahnbrechende Zukunftsmodell gekommen war. Daraus ergab sich, dass ich auf DAS Instrument kommen musste, das mir den Weg dorthin ermöglichte. DAS Werkzeug zum Glück, DEN Türöffner zur Verheißung.
Werkzeuge und Türöffner dieser Art haben es an sich, dass sie Einem weder zufallen noch verordnet werden, und so dauerte es lange, bis ich auf sie kam. Dafür haben sie sich so in mir manifestiert, dass ich bis heute an ihre Wirksamkeit glaube. Man findet sie auch in einem meiner Zitate und sie lauten: „Erfolg hat nur zwei Zutaten: Genialität oder Besessenheit“.

Genialität wäre mir lieber gewesen, aber mir war zeitgleich mit meiner Erkenntnis klar geworden, dass ich eindeutig zur zweiten Fraktion gehöre, und ich, sofern ich den verheißungsvollen Zustand eines Alltags ohne Erwerbstätigkeit erreichen möchte, ab nun eine komplett andere Initiative an den Tag zu legen hatte als bisher.

Ich legte also den Schalter um 180 Grad um, und der Rest ist (fast) schnell erzählt. Meine Karriere in einem großen deutschen Konzern verlief gleichermaßen schnell wie geradlinig und mit Mitte Dreißig wurde ich Prokurist bei einem seiner größten Kunden.
Das Gehalt war hoch, das Auto groß, das Haus auch, und die Scheidung teuer.

Mir wurde klar, ich hatte mein Ziel aus den Augen verloren. Ich hatte mich verführen lassen und mich in einen Strudel von Annehmlichkeiten ziehen lassen, die mich über all das hinweg trösten sollten, für das ich eigentlich angetreten war. Aber von dem ich mich immer mehr entfernt hatte. Ich hatte vermeintlich alles, aber von dem was mir wirklich wichtig war, nichts. Nämlich Zeit.

Letztendlich brauchte es dann doch einen Auslöser, der mich zum Handeln brachte. Ich war im Urlaub in Italien, als ich von meinem Bruder vom Tod seiner Tochter kurz vor ihrem 6. Geburtstag erfuhr. Das war der Tag, der mein Leben veränderte. Für immer. Auf einmal war alles klar, vor allem der weitere Weg. Der Tod, das Leben, der Inhalt. In aller Klarheit.
Warum hatte es diesen Schicksalsschlag gebraucht, um mich wieder darauf zu besinnen, was mir wirklich wichtig war und wofür ich mein Leben verwenden wollte …

Ich fuhr sofort zurück nach Deutschland und noch vor der Beerdigung kündigte ich meinen ausgezeichnet bezahlten Job. Ohne etwas Neues zu haben. Dafür ein exklusives Haus am Münchener Stadtrand, das nach monatlicher Abzahlung rief, plus meinen neuen Wohnraum, der mir ebenfalls nicht kostenlos zur Verfügung gestellt wurde sowie die monatlichen Belastungen rund um eine ebenfalls nicht zum Sonderpreis erhaltene Scheidung.

ABER: ich war frei! Ich spürte, dass es jetzt losging. Zwar noch nicht, womit, aber wenn nicht jetzt, wann dann. Das war DER Moment, auf den ich so lange gewartet hatte!

Ich gründete eine Firma und mietete mir in der Nähe ein Blockhaus. Ich ließ mich dort als Händler nieder und ließ mir von Firmen aus derjenigen Branche, in der ich mein ganzes Berufsleben tätig war, Kundennummern geben. Ich ließ mir für einen überschaubaren Betrag einen Onlineshop programmieren und verbrachte Monate damit, darin Tag und Nacht Artikel meiner neuen Lieferanten anzulegen, den Shop zu gestalten, seine Funktionen zu optimieren, Gespräche mit Dienstleistern und Logistik-Unternehmen zu führen und legte kurz nach meinem 44. Geburtstag los, in dem ich einen Artikel verkaufte. Zum Erlös legte ich etwas dazu und kaufte davon zwei Artikel. Von deren Erlös kaufte ich drei, von deren Erlös vier. Und so weiter. Mein Handelsgeschäft lief an, ohne Schulden gemacht zu haben. Und so sollte es immer bleiben, bis ich es als Ausbildungsbetrieb mit 20 Mitarbeitern und einem annähernd 8-stelligen Jahresumsatz knapp 4 Jahre später verkaufte.

Dies zu einem Preis, von dem klar war, dass er mir ein Leben ohne jegliche weitere Verpflichtungen ermöglichen würde. Sonst hätte ich es nicht gemacht. Ich war 48 und für den Rest meines Lebens frei. Und hatte dafür nichts Weiteres getan, als Teil 2 meines Mottos anzuwenden. Und hatte Besessenheit gelebt. Wenn man es genau nimmt, hatte ich im Prinzip diese 4 Jahre nahezu komplett in der Firma verbracht. So gut wie kein Urlaub, Wochenende oder Feiertag.
Der stinkend faule Hund als Workoholic mit 90 Stunden-Woche. Aber er wusste ja wofür und hatte ein klares Ziel vor Augen. Mit Besessenheit und ohne Schulden eine Firma hoch profitabel machen und sie dann verkaufen.

Meine daraufhin stattfindende Freiheit dauerte genau ein Dreiviertel Jahr, nämlich bis zu dem Anruf der neuen Inhaber 9 Monate nach meinem Ausscheiden und der Frage, ob ich die Firma zurück geschenkt haben möchte. Bei Übernahme aller Schulden. Sie sei am Ende. Ein übermäßiges Beauftrage von Dienstleistern und Beratern sowie hemmungslose Kapitalabflüsse in die eigenen Taschen hatten die ehemals hoch-profitable Firma in den Ruin getrieben. (Nur am Rande, wäre sie nicht derart hoch-profitabel gewesen, hätte mir niemand den Preis für sie gezahlt, den ich für sie erhalten habe).
Ich ließ mir die aktuellen Zahlen geben, die jedoch ein derart düsteres und aussichtsloses Bild zeichneten, dass ich ablehnte. Am Tag darauf ging die 6 Jahre vorher von mir unter Gründungsschmerzen an den Start gegebene Firma insolvent.

Die Insolvenz riss auch die Firma der neuen Inhaber mit in den Abgrund. Und mit ihr eine Forderung an selbige, die ich an sie noch hatte. Die dritte Kaufpreis-Rate, die schon lange fällig gewesen war und deren Verschiebung ich angesichts der prekären Situation der Firma immer wieder zugestimmt hatte. Obwohl ich damit über Nacht einen Betrag in der Größenordnung von 3 Porsches verloren hatte, litt ich viel eher darunter, dass nun all die Menschen, die ich in den Jahren vorher persönlich eingestellt hatte, nun in die Arbeitslosigkeit rutschten, und dies nur, weil die neuen Betreiber die Firma finanziell ausgeblutet hatten.

Ich beschloss, diese Menschen wieder einzustellen. Ich kaufte aus der Insolvenzmasse meinen alten Firmen-Kern und nach einem Dreiviertel Jahr harter Vorbereitung ging ich mit meiner alten Stamm-Mannschaft erneut an den Start. Und als ob es auch darum ging, zu beweisen, dass die Insolvenz meiner verkauften Firma völlig unnötig und nur durch die maßlose Gier der neuen Inhaber verursacht war, wurde die zweite Firma noch erheblich erfolgreicher als die erste. Vielleicht auch deswegen, weil ich noch eine Spur besessener war. Auf jeden Fall erfahrener und effektiver. Und Menschen an meiner Seite hatte, für die ich durchs Feuer gegangen wäre und sie für mich.

3 Jahre nach ihrer Gründung habe ich Teile der Firma verkauft, sie in gute Hände übergeben und schied aus.

Warum ich all das erzähle? Weil ich heute an dem Punkt bin, von dem ich ganz am Anfang erzählt habe. Sich der Kreis geschlossen hat. Und es vielleicht den Einen oder Anderen interessiert, wie es kam, dass ich heute in einer Situation bin, jeden Tag aufs Neue entscheiden zu können, was ich machen möchte. Zum Beispiel zu schreiben. Oder faul zu sein und seinen Gedanken nachzuhängen. Und all das, was dabei passiert, aufs Papier zu bringen. Viel zu reisen, viel zu sehen, viel zu erleben. Auch all das textlich zu verarbeiten.
Vielleicht aber auch, um zu zeigen, dass wenn es der Hochhaus-Junge mit seinem schlechten Realschulabschluss schafft, sein Lebens-Ziel zu erreichen, es jeder schaffen kann. (Selbstverständlich nur, wenn er das Motto des Hochhaus-Jungen anwendet 🙂

Natürlich bin ich mir darüber bewusst, dass ich im gewissen Sinne getauscht habe. Die freie Zeit, die ich heute habe, habe ich zuvor in meinen Firmen verbracht. Auch wenn es hätte nicht klappen können, würde ich es so immer wieder machen. Denn nur dadurch bin ich in diese privilegierte Situation gekommen, das zu tun, was mich am meisten erfüllt und mir am meisten Freude macht: zu schreiben.
Für mich gibt es nichts Schöneres als Worte zu Sätzen und Sätze zu Texten zu formen. Sie zu bearbeiten wie ein kleines Kunstwerk. Ihre größtmögliche Kraft aus ihnen herauszuholen. An ihnen zu tüfteln bis sie dem eigenen Anspruch genügen. Aus einem leeren Blatt ein gefülltes machen. Eines, das so noch nie da war. Ein Text gewordenes Stück Selbst …

Wer es bis hierher geschafft hat, einerseits aufrichtigen Respekt und ganz herzlichen Dank. Und zum Anderen ganz viel Freude bei dem, was Ihr auf meinen Seiten an dem von mir Geschriebenem vorfindet.
Es besteht die Möglichkeit, jeden meiner Beiträge zu kommentieren und es wäre eine große Freude für mich, mit Euch hierzu im Austausch zu sein.

Euer Diedymus